Elena Kristofor, Laura Sperl
Turmgalerie Vilshofen
Vilshofen, Deutschland
2024

Eine Hand, ein Arm, zwei Beine. Ein Baum, ein Körper – der Nebel. Elena Kristofors und Laura Sperls Arbeiten zeigen einen im Wald oder im Raum befindlichen Körper, der von Bäumen und Nebel verdeckt und umwebt wird, aus ihm hervortaucht oder sich mit ihm bewegt. Die variierenden Nebeldichten schaffen unterschiedliche Ebenen der Sichtbarkeit und geben den Körper mal deutlicher erkennen, mal so subtil andeuten, dass er in einem scheinbar luftleeren Raum zu schweben scheint.
Die Zusammenarbeit der Künstlerinnen Elena Kristofor und Laura Sperl entstand aus einer gemeinsamen Erfahrung der Orientierungslosigkeit in einem nebelverhangenen Wald. Auch die Fotografien fordern eine Desorientierung heraus, sei es durch das Umkehren der Perspektive oder das Einnehmen ungewöhnlicher Körperhaltungen wie einem Handstand, der die Welt auf den Kopf stellt. Bildtitel wie Nothing would be what it is, because everything would be what it isn’t oder Auf dem Rücken fliegen greifen diese Perspektivwechsel auf. Für einen kurzen Moment wird alles, was es nicht ist – Wie blicken wir auf unsere Umwelt? Welche Position nehmen wir in ihr ein?
Das Spiel mit Sichtbarkeiten ist den technischen Prozessen der analogen Fotografie inhärent: Als latentes, d. h. verborgenes, Bild existiert das Bild bereits auf dem Trägermedium, muss jedoch durch chemische Vorgänge entwickelt werden. Dies dauert nur einen kurzen Moment an, bis das Fotografierte vollständig sichtbar ist.
Diesen Prozess der Enthüllung reflektieren auch die Arbeiten von Kristofor und Sperl. Die Nebelinterventionen stellen ähnlich wie die fotochemischen Vorgänge einen temporären Zustand dar, der eine Transformation durchläuft, um etwas bisher Verborgenes zu enthüllen. Sie bieten damit einerseits die Möglichkeit, sich der Dominanz des Visuellen bewusst zu werden. Die in der Ausstellung stattfindenden Nebelinterventionen sind Teil der Arbeit und laden die Besuchenden ein, die Bilder durch den Nebel zu erfahren. Sie bieten darüber hinaus die Möglichkeit, sich über die Einschränkung des Sehsinns hinaus auf die Raumerfahrung einzulassen. Bereits der Titel der Ausstellung, Kühler wird die Sonne im Dunst des Nebels, rückt mit der Auswirkung auf die Haut die körperliche Erfahrung in den Vordergrund. Über die Atemluft oder Körperwärme wirken auch die Körper der Besuchenden auf das Raumklima und die Atmosphäre ein.
Der Gedanke von Interaktion und Transformation wird umso deutlicher in der Videoarbeit Drch Nbl, in der sich ein Körper mit Nebelschwaden in einem Wald bewegt. Im Gegensatz zu den statischen Fotografien unterstreicht das Bewegtbild das Eingebundensein des Körpers: Indem die Choreografie auf den Nebel reagiert, wird keine Distanz mehr gewahrt, sondern Körper und Nebel sind verbunden.
Clara Bolin





what it isn‘t, Ausstellungsansicht, Turmgalerie Vilshofen, 2024





